• 1

13.10.2017 Musik und Tafeley in der Rheinauer Bibliothek

Treffender konnte ein Titel kaum sein als der für den Abend des 13. Oktobers 2017; es wurde musiziert und getafelt, und zwar vom Feinsten.
Die Aktiven des Fördervereins der Rheinauer Zweigstelle der Stadtbibliothek Mannheim hatten im Vorfeld historische Kochbücher gewälzt, Vorschläge diskutiert und verworfen, bis die Köstlichkeiten für diese Veranstaltung fest standen.
An herbstlich geschmückten Tischen lockten Schmachtlappen (verschiedene Brotsorten mit raffinierten Aufstrichen), Räucherfischhörnchen und Lachsschnecken, sowie ein kaltes Rote-Bete-Süppchen, derweil sich die beiden Musiker und die Sprecherin des Ensembles InTon in historischer Gewandung unter das Publikum mischten und die Erwartungen an den musikalischen Part schürten.


Christine Seifert, Mitarbeiterin der Bibliothek und Dieter Eckert, Vorsitzender des Fördervereins, sprachen ein paar einführende Worte und die beiden Musiker hießen die Gäste mit ihrem ersten Lied „Guten Abend, liebe Leute“ willkommen.
InTon, das sind die beiden Musiker Nikola Polizzano, der sich selbst als Italo-Pfälzer bezeichnete, wurde er doch in Norditalien geboren, und Ernst Kaeshammer, der aus dem Schwarzwald stammt. Beiden ist die Musik ein persönliches Grundbedürfnis, das Mittel schlechthin, eigene Stimmungen und Gefühle, die eigene Persönlichkeit, nicht nur zu empfinden und zu erforschen, sondern auch mitzuteilen, eine Brücke zu anderen Menschen zu schlagen.
Ihren Gesang begleiteten sie vorwiegend mit dem Akkordeon (N. Polizzano) und der Drehleier (E. Kaeshammer), womit sie eine Tonqualität erzeugten, die einen sofort in die Atmosphäre der Altvorderen versetzte.

Nach dem Eingangslied hatte Patrizia Polizzano ihren ersten Einsatz als Sprecherin. Sie führte in die Zeit der Renaissance ein (Mitte 14. - Anfang 17. Jahrhundert), in der sich die Menschen auf das klassische Altertum rückbesannen, allerdings unter der Perspektive des Menschen als Individuum, mit seinen persönlichen Anlagen, Bedürfnissen und Sehnsüchten. Diese später Humanismus genannte Betrachtungsweise führte zu gesellschaftlichen Umbrüchen, die letztendlich die Bauernkriege, den Dreißigjährigen Krieg, die Reformation zur Folge hatten.

In einem Lied über Landsknechte auf ihrem Feldzug nach Friaul wurde das Kämpfen und Erobern thematisiert; das nachfolgende Instrumentalstück „Die Schlacht“ spiegelte eher die tieftraurige Stimmung nach der Schlacht wider – Ödnis, Elend, Tod.
In die Rolle einer Bauersfrau geschlüpft, der der Krieg alles genommen hatte, klagte Patrizia Polizziano über eine weitere Heimsuchung, die Pest.
Dem Zwiegespräch zwischen Tod und Tänzer galt das nächste Lied. Doch es liegt in der Natur des Menschen, seiner Sehnsucht nach Frieden Ausdruck zu verleihen, Hoffnung zu schöpfen, und irgendwann gibt es auch wieder einen Anlass zum Feiern.
„Holt mir Wein aus vollen Krügen“, das war die passende Einstimmung für die Pause mit den herzhaften Speisen.
Rindfleischpfanne, Schwein in Rotwein gegart, Krautpfanne mit Hackfleisch, Fisch als Gratin und im Teigmantel, Kürbisauflauf, dazu Beilagen und verschiedene Gemüse ließen keine Wünsche offen.

Mit einem Stimmungsbild zur Niederschlagung des Bauernaufstands eröffnete Patrizia Polizzano den zweiten Teil des musikalischen Vortrages. Eine Fahne mit dem Bundschuh geschultert stimmten die beiden Musiker ein melancholisches „Kyrie eleis“ an, dem die Klage „Es ist ein Schnitter, der heißt Tod“ folgte.
Über die Bauern und die Repressalien der „edlen Leut“ hatte Patrizia Polizzano gesprochen; nun war das fahrende Volk an der Reihe. „Hey Musikanten“ widmete sich einer Volksgruppe, die Verherrlichung des Lebens als Gauner einer anderen.
Als Abschluss nahmen Nicola Polizzano und Ernst Kaeshammer das aufmerksame Publikum mit auf die große Tippelreise, zu den Stationen eines über Land fahrenden Scherenschleifers.

Doch ohne Zugabe kamen die beiden nicht davon.
Passend zur Tafeley gaben die beiden das Lied eines arm geborenen Mannes zum Besten, dessen größte Sehnsucht einem Teller Makkaroni galt. In der letzten Strophe träumt er, dass ein Zug mit 66 Anhängern voller Makkaroni gefahren kommt, und dass Friede auf der Welt herrschte, würden alle Kanonen mit Makkaroni geladen.
Unter begeistertem Applaus dankten Christine Seifert und Dieter Eckert dem Ensemble InTon mit einem Weinpräsent. So kam es zu einem allerletzten Lied: „Wenn ich trinke guten Wein, dreht sich die ganze Welt.“
Doch bevor der Wein Schaden anrichten konnte, wurde mit dem Nachspeisenbuffet ein solider Grund gelegt.

Angela Landgraf-Seidel

Merken